Das ist die Homepage des Killistammtisch Ostsachsen / Dresden.
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Zur Geschichte der Killianerei in Dresden und der Regionalgruppe Dresden- Ostsachsen von Bernd Schwabe

Dresden entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer Hochburg der Aquaristik mit einer Vielzahl von Vereinen unterschiedlichster Zusammensetzung. So gab es in der Mehrzahl bürgerliche Vereine und in der Mitte der Zwanziger Jahre bildeten sich auch Arbeitervereine, zu denen damals auch der (unser) AV „Kampffisch“ Dresden e. V. (gegründet 1926) gehörte. Durch die Entwicklung des Seehandels gelangten viele, bis dato unbekannte, wirkliche Zierfische nach Europa und viele davon schwammen alsbald in den Becken berühmter Dresdner Zierfischzüchter, die manche Erstzucht verzeichnen konnten. Zu diesen herausragenden Züchterpersönlichkeiten gehörten Johanns THUMM, der mit seiner Zuchtanstalt in Dresden- Klotzsche ansässig war und Paul SCHÄME, dessen Betrieb noch in DDR- Zeiten von seinem Sohn Werner SCHÄME in Dresden- Striesen auf der Geisingstrasse weitergeführt wurde. Vor allem waren es Lebendgebärende Zahnkarpfen die durch diese Pioniere der Zierfischzucht in der Aquaristik verbreitet wurden. Doch es tauchten auch schon die ersten „Haplochilen“ auf, wie Killis damals noch genannt wurden. Die Spezifik der Killifischzucht war damals noch wenig bekannt und so verschwanden die eingeführten Arten mehr oder weniger schnell. So vertrat damals der bekannte Aquarianer und Redakteur der Wochenschrift Christian BRÜNNING die irrige Ansicht, dass die Fächerfische (Cynolebias-artige) im feuchten Schlamm, ähnlich den Lungenfischen, die Trockenzeit überdauern, um dann für Nachwuchs zu sorgen. Dem Seemann, der damals Fächerfische mitgebracht hatte, wurde kein Glauben geschenkt, dass diese Fische im Bodengrund ablaichen und der Laich dort bis zum Einsetzen des Regens verharrt. Durch derartige Zweifler wie BRÜNNING verzögerte sich der dauerhafte Erfolg in der Zucht Eierlegender Zahnkarpfen. Doch es gab auch Zierfischzüchter, die getrieben durch Naturliebe- und Verständnis, aber auch mit nicht weniger wirtschaftlichem Interesse, tiefgründiger an die Vermehrung der Importfische gingen und dadurch schnell zu Erfolg kamen. Ein Name hob sich bis kurz nach der Wende von allen Mitbewerbern wohltuend ab und das war die Firma „Zierfischzüchterei Hermann HÄRTEL“. 1898 erfolgte die Firmengründung und ab 1912 wirtschaftete HÄRTEL in einer, für damalige Zeit, außerordentlich großen und modernen Anlage und schon bald fanden sich in den Angebotskatalogen HÄRTELS, neben Makropoden, Kampffischen, einem breiten Artenspektrum Lebendgebärender, Bärblingen und Goldfisch- Zuchtformen, auch die ersten „Eierleger“. Günstig für die Firma HÄRTEL war dabei, dass sich im Erzgebirge mittlerweile eine Züchterdynastie gebildet hatte, die neben solchen Weichwasserfischen wie dem Neon und Roten Neon, auch vermehrt und gezielt Eierlegende Zahnkarpfen züchtete. Heute noch erinnern die Namen einiger Killis, wie z. B. „Roloffia“ Scriptaphyosemion bruenningi oder „Roloffia“ Scriptaphyosemion bertholdi an die erzgebirgischen Killifisch- Pioniere aus Gehringswalde. Unser DKG- Altvorderer Willi HARVEY, der seit Kriegsende in Schottland lebt, erinnert sich noch heute gern daran, wie er seine ersten Killis im „Tropenreich der HÄRTELCHEN Zuchtanstalt“ erwarb und später deren Nachzuchten und die vieler anderer Zierfischarten wieder dort abgeben konnte. Damals, bis in die frühen 1970’er Jahre hinein, waren unsere Lieblingsfische im Hobby als Fundulen verbreitet. Der Name hatte sich eingebürgert, obwohl die wenigsten damals verbreiteten Killis der Gattung Fundulus entstammten. Auch ich wurde 1968 zum Fundulenfreund. Dass dem so war, ist dem Umstand geschuldet gewesen, dass ich in die damalige Fachgruppe „Aquarienkunde Dresden- West“ (heute vereinigt mit AV“Kampffisch“) eintrat und dort einen Mann kennen, schätzen lernte, der als Vereinsvorsitzender, besonders den Eierlegenden Zahnkarpfen verschrieben war und mich in meinem Interesse stark förderte, Johannes FRANZ. Es gab wohl damals kaum einen Fundulenfreund, der weitreichender Verbindungen zu Killianern weltweit aufgebaut hatte. Auch sein Wissen und seine praktischen Erfahrungen in der „Fundulenzucht“ wurden damals nur von wenigen Killianern erreicht. Und er schenkte mir jungem Spund manche interessante Art Eierlegende Zahnkarpfen, die in mir den Ergeiz zu erfolgreicher Vermehrung anregten und mich letztendlich Anfang der 1970’er Jahre in die 1963 gegründete ZAG „Eierlegende Zahnkarpfen“ führte. Hier lernte ich weitere hervorragende Killi- Experten kennen, wie Werner NEUMANN, Klaus BREITFELD, Hans- Jürgen KEMMLING, Helmut SANDER und nicht zu vergessen Felix MILKUHN. Letzter vererbte einen Namen und das Interesse an Killis weiter, so dass MILKUHN noch heute für erfolgreiche Beschäftigung mit Killis steht. Enkel Thomas ist heute aktives Stammtischmitglied und Leiter der Arbeitsgruppe „Ex- Roloffia“ der DKG. Sein Großvater war als Prediger der Baptistengemeinde Dresden „sozialistischer Reisekader“ und brachte in der Thermosflasche manche Killi- Neuheit mit in die DDR. Es wurde durch solche Freunde eine Grundlage geschaffen, dass in Dresden eine sehr aktive und mitgliederstarke Killi- Szene mit gutem Fischbestand entstand. Aber auch eigene Initiative brachte uns neue Arten, die, gut in feuchtem Torf verpackt, im Plastetütchen und in Wellpappe versenkt, per Briefpost zu uns kamen, oder umgekehrt in die BRD. Denn wir hatten Sorgfalt beim Erhalt der Arten gelernt, denn es gab so einige Schwierigkeiten Killis in neuen Arten zu erhalten. Was mir Freunde wie Gerhard SCHREIBER aus Lüdenscheid, Thomas HUVER aus DÜSSELDORF und mein langjährigster DKG- Freund Ernst EUMANN zukommen ließen, musste erfolgreich vermehrt und auf längere Sicht erhalten bleiben. Das war so und gehörte zu unserer besonderen Vorwendestärke. Dieser Umstand brachte mir und meinen Freunden die besondere Achtung des DKG- Gründungsmitgliedes Kurt HUWALD ein, - verbunden mit Arten, die sonst bei Frd. HUWALD nur zögerlich den Besitzer wechselten. Als unser Freund und Vorbild Johannes FRANZ am 4.12.1975 im Alter von 63 Jahren verstarb, verloren wir einen unserer besten Ratgeber und es stellte sich uns die Frage, wie dieser schmerzliche Verlust zu kompensieren sei? Wir kamen zu dem Schluss, dass wir unsere bisherigen lockeren Verbindungen intensivieren und enger zusammenrücken müssten. Wir waren überzeugt, dass im Kollektiv mehr zu erreichen sei, - auch bei den Killis. So reifte bei mir der Entschluss, in Dresden eine Regionalgruppe der ZAG „Eierlegende Zahnkarpfen“ zu gründen. Bestärkt wurde ich dabei durch den damaligen Bezirksvorsitzenden des Fachausschusses Aquarienkunde/Terrarienkunde im KB der DDR, Dieter KADEN. Er gehörte zu den Pionieren der organisierten Killianerei in der DDR und war schon lange an Killis interessiert. Viele Veröffentlichungen zu diesen Fischen entstammten seiner Feder und sein prächtiger roter Stamm von Rivulus ornatus erlangte weite Verbreitung in der ZAG. So kam es, dass sich am 28.03.1976 10 Killi- Freaks in der Wohnung SCHWABE in Dresden- Gruna trafen und die noch heute als DKG Stammtisch „Dresden- Ostsachsen“ existierende Regionalgruppe der ZAG gründeten. Als Gäste hatten sich der ZAG- Leiter Waldemar HÖHNE aus Bernsdorf und der ZAG- Redakteur Werner NEUMANN angesagt. Letzterer war dann auch vor Ort und referierte über „Neue und altbekannte Killies“, - während sich Freund HÖHNE an der Landstrasse vergebens ums Abschleppen seines schon etwas sehr altersschwachen und klapprigen Wartburgs bemühte. „Neue und altbekannte Killies“ – wer liest hier ein E zuviel? Auch wenn uns deutsche Killianer in diesen beiden so unterschiedlichen Staaten das gemeinsame Hobby einte, so gab es doch auch gravierende Unterschiede, wobei die unterschiedliche Schreibweise, der, aus dem Englischen entlehnten, Bezeichnung Killifisch nur einer der geringsten war. Im Westen jedenfalls gab es Killis und bei uns Killies, die wir schon lange nicht mehr als Fundulen bezeichnen mochten. Der erste Killie- Chef der Dresdner Gruppe war Bernd SCHWABE, der ihr viele Jahre vorstand. Ihm folgten Vorsitzende, wie Andreas HILLIGER (heute auf Taiwan/ Formosa lebend und arbeitend), Wolfgang VORIG (heute an Orchideen und Steingartenpflanzen so begeistert wie damals an Cynolebias- und Nothobranchiusarten) und Lutz MENDE (heute auch in der DKG), die leider nicht mehr Anteil am Regionalgruppenleben nehmen. Einige Zeit nach der Wende, als Stagnation und Auflösung drohte, übernahm SCHWABE erneut die Leitung der RG, die mittlerweile als „Stammtisch Dresden- Ostsachsen“ im Rahmen der DKG wirkt und sich mit der Ausrichtung der Jahrestagung und Leistungsschau der DKG 1999 in ihrer Heimatstadt selbst einen Höhepunkt geschaffen hat. Einige Erfahrung hatte die Gruppe, die als älteste RG aus der ehemaligen DDR gelten kann, da sie bis heute ununterbrochen seit ihrer Gründung wirkte, mit Ausstellungen schon. Keine erreichte die Dimensionen, wie sie erreicht wurden als wir 1999 und 2005 hier in Dresden die Jahrestagungen und Internationalen Leistungsschauen ausrichteten. Schon 1966 gab es auf Initiative von Johannes FRANZ im Palmenhaus des Schlossparks Pillnitz (27.08. – 25.09.66 – beachte die lange Ausstellungszeit) eine Sonderschau „Eierlegende Zahnkarpfen“. 60 dekorative Pflanzenaquarien waren mit Killis besetzt. Im Gründungsjahr der RG stellten wir im Pretiosensaal des Dresdner Schlosses, anlässlich der Arbeiterfestspiele auch Killis aus. 1978 folgte, ebenfalls in Pillnitz, nun aber in der Orangerie, im Rahmen der bekannten >>Dresdner Aquarienschauen<<, die stets 8 Wochen geöffnet waren und zehntausende Besucher anlockten, eine weitere Sonderschau mit Killis. Diesmal wurden 70 dekorative Aquarien mit mehr als 100 Arten besetzt. Unter der Leitung des RG- Leiters Bernd SCHWABE hatte die Gruppe dieses (für damalige Verhältnisse) riesige Projekt in Angriff genommen und ausnahmslos alle Pfleglinge gesund über die lange Ausstellungszeit gebracht. Die Wirkung war gewaltig, - die RG erhielt viele neue Mitglieder und bald konnte sich die Gruppe nicht mehr in den Wohnungen der Mitglieder treffen, - für die nunmehr reichlich 40 Killianer war es selbst in den uns bekannten Veranstaltungsräumen schwer unterzukommen. Selbst Aquarianer, die überwiegend mit anderen Zierfischen befasst waren, wie z.B. Wolf- Dieter KLIX, der heutige VDA- Bezirksvorsitzende und Lebendgebärende- Freund, oder Peter TEICHNER, unser Welsspezialist, oder Bernd GRAICHEN, der Züchter schwieriger Salmler, Dieter GRABS u. a., stießen zu uns Killianern und stärkten die Gruppe.
Nach der Wende gab es, wie im gesamten Vivaristik- Bereich zunehmend einen Mitgliederschwund auch bei uns. Heute sind wir wieder bei den Mitgliederzahlen von 1976 angelangt. Dass die Gruppe nicht ganz zerfiel, ist den Nachwende- Leitern Bernd SCHWABE, Thomas MILKUHN (seit 1999) und Ulrich ERLER zu danken. Nicht nur wir selbst sehen uns als Gruppe „klein - aber fein“ und das nicht nur im regionalen Rahmen, stellen wir doch immerhin mehrere AG- Leiter, den Bewertungsobmann unserer Ausstellungen, den Verantwortlichen für den Journalversand und nicht zu vergessen seit 2001 auch den DKG- Vorsitzenden.
Wenn wir unseren Hunger an fachlichen Informationen und schönen Killifisch- Fotos weiter stillen wollen, fahren wir zu den Treffen der RG „Westsachsen / Thüringen“ nach Zwickau und werden dort stets mehr als befriedigt. Daher betrachten wir uns auch als Angehörige dieser Gruppe.
Gern beteiligten wir uns auch an Aquarienschauen in Hoyerswerda in der Lausitzhalle und an den Großen Ausstellungen „Aquaristik im Gewölbe“ hier in Dresden im Eiskeller der vormaligen Brauerei „Felsenkeller“. Auch unsere Killi- Stellage trägt zum guten Ruf dieser Ausstellungen bei. Im Herbst 2009, so geht es einhellig aus Gesprächen mit prominenten Besuchern, wie dem VDA- Präsidenten Dr. Steffan HETZ, der 1.GF der DKG Andrea SCHREIBER, oder dem Redakteur der „Orchideenwelt“ Dr. Jürgen SCHMIDT, so wie aus den Eintragungen im Gästebuch, hervor, war „einmalig und die schönste und umfangreichste Schau in Deutschland…“. Wir Killianer haben zu dieser Einschätzung mit unseren Becken und unseren Fischen und unserem Engagement beigetragen.
Als heutiger Stammtisch treffen wir uns, mit einigen ganz aktiven Mitgliedern wie z. B. Uli ERLER, Jens ADAM, Thomas MILKUHN, Uwe ZECH, Frank WEHRMANN, Steven MEINIG, Jens BELEY, Manolis JOHANNIS  u. a., in der Regel 6x im Jahr, was auch wieder in den Wohnungen der Mitglieder möglich wurde, aber es zeichnen sich jetzt schon Grenzen ab. Jährliche Höhepunkte sind der „Killi-Grill“ im Grundstück von Jens ADAM und die "Ferienauswertung" im Grundstück von Uli ERLER, unserem RG- Leiter. Wichtig sind uns bei unseren Treffen das persönliche Gespräch mit Erfahrungs- und Fischaustausch, die Pflege freundschaftlicher Beziehungen untereinander und die Gewinnung aller in Dresden und Umgebung ansässigen Killifreunde und DKG- Mitglieder, sowie die Umsetzung dessen, was die DKG zum Erreichen ihrer Ziele von uns erwartet. Dazu gehört auch das Anknüpfen freundschaftlicher Beziehungen, wie z. B. zu den Freunden der Berliner Gruppen und einzelnen anderen befreundeten Killianern. Die Berliner besuchten stets unsere Ausstellungen im „Felsenkeller“, wo selbstverständlich auch Killis zum Besuch locken (unser Gegenbesuch in Eberswalde wurde freudig begrüßt) und Freunde wie Johannes GRUBER aus Österreich oder Andrè KAHNT aus Altenburg, Hans-Jürgen KEMMLING aus Dessau, Oliver HELKER aus Heinsberg, Christian KÖPP aus Berlin, Winfried GRELL aus Neustadt und Wolfgang EBERL aus Schorndorf u. a. m. danken uns unsere Freundschaft, indem sie weite Wege auf sich nehmen um bei uns bei den Killifischtagen und im Rahmen der Stammtischtreffen hervorragende Vorträge in Wort und Bild darzubieten.
Auch einige RG- Mitglieder, wie z.B. Thomas MILKUHN, Uli ERLER, Jens ADAM, halten Vorträge und ein Teil derer fachlichen Veröffentlichungen sind unter entsprechender Rubrik auf dieser Webseite zu lesen.
Was kann man zum Schluss dieser Betrachtung noch sagen?
Wer an Haplochilen, Fundulen, Eierlegenden Zahnkarpfen, Killifischen, Killies, Killis oder Cyprinodontidae interessiert ist, der ist bei uns goldrichtig und wer bei uns angekommen ist, für den ist der Weg zur Deutschen Killifisch Gemeinschaft nur noch ein kurzer Sprung.
Unsere traditionsreiche Gruppe würde sich freuen, wenn wir weiteren Zulauf, auch durch interessierte Besucher dieser Homepage, bekämen, denn
>>In der Gemeinschaft macht das Hobby erst so richtig Spaß<<.

 

Aktualisiert am 22. Februar 2015 durch Jens ADAM.

 

 

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